Die Mitgliedsstaaten der Union verabschiedeten am 11. Juni strengere Regeln für die Sicherheit von Kernkraftwerken und anderen nuklearen Anlagen. Die Sicherheitskonzepte der Mitgliedsstaaten sollen in Zukunft regelmäßig und nicht nur von den nationalen Sicherheitsbehörden überprüft werden. Die erste Überprüfung ist 2017 vorgesehen.

Mit der Richtlinie zieht die EU die Konsequenzen aus den Stresstests, denen die europäischen KKW nach dem Reaktorunglück von Fukushima unterzogen wurden. Diese Tests wurden von den Mitgliedsstaaten durchgeführt, weil die EU bislang keine Zuständigkeiten im Bereich der nuklearen Sicherheit hat. Die EU-Kommission hatte deswegen vor einem Jahr verbindliche Sicherheitsziele vorgeschlagen, um die Folgen nuklearer Havarien zu begrenzen. Die kerntechnischen Anlagen sollen nach einem einheitlichen Verfahren regelmäßig überprüft werden.

Eine Sicherheitsüberprüfung muss mindestens alle sechs Jahre stattfinden. Dafür müssen sich die Mitgliedsstaaten auf Schwerpunkte und eine gemeinsame Vorgehensweise (Methode) verständigen. Die Überprüfung wird von gemischten Teams („peer review“) durchgeführt, in denen Experten verschiedener Mitgliedsstaaten vertreten sind. Setzt ein Mitgliedsstaat Empfehlungen aus einer Sicherheitsüberprüfung nicht um, kann die Kommission eine Mission in das betreffende Land entsenden.

Jedes KKW muss von dem betreffenden Mitgliedsland mindestens alle zehn Jahre eingehend überprüft werden. Dazu gehört auch die Fortschreibung von Notfallplänen, die zusammen mit den örtlichen Behörden in einem transparenten Verfahren entwickelt werden müssen. Die Richtlinie verpflichtet die Mitgliedsstaaten auch, bestimmte Informationen zu veröffentlichen. Die Richtlinie sieht außerdem eine Stärkung der Unabhängigkeit der atomaren Aufsicht und eine engere Zusammenarbeit der nationalen Behörden vor.